In Start/ Working Out Loud

Wie ich Working out loud komplett falsch verstanden habe

Seit 9 Wochen bin ich in meinem neuen Job bei der DGFP – seit 9 Wochen setze ich mich intensiv damit auseinander, was (junge) HR’ler brauchen, um in ihrem Job an- und voranzukommen. Seit ungefähr 4 Wochen beschäftige ich mich – mal mehr, mal weniger intensiv – mit dem Thema Working out loud. Denn daran scheint gerade niemand vorbeizukommen. Wie weit bin ich bisher gekommen? Ich habe gelesen, was #WOL ist, welchen Mehrwert es für einige bedeutet und wie es das Arbeiten im Konzern zu verändern scheint. Aber auch die ein oder andere kritische Stimme lief mir über den Weg – und gab mir das Gefühl: Working out loud wird viel zu oft falsch verstanden. Vor allem von mir selbst. Hier kommen also meine 4 Learnings aus 4 Wochen #workingoutloud.

 

1. Ziel von Working out loud ist es, seine Arbeit transparent zu machen.

Mein allererster Gedanke zu #WOL war: Na endlich ein Weg, wie ich so transparent (weil laut) arbeite, dass es einen Mehrwert für alle gibt. Denn – wer kennt das nicht? – die CC-Kultur in vielen Unternehmen sorgt weniger für Transparenz als für übervolle Postfächer. Meine Erwartung allein durch das Wording war also: eine Methode kennenzulernen, die Transparenz ermöglicht, ohne dabei Kommunikationskanäle zu verstopfen. Falsch gedacht. Meine Annahme war schlicht und ergreifend falsch. Ziel von Working out loud ist eine Haltungsänderung, eine andere Art und Weise zu arbeiten zu kultivieren – dazu gehört es auch, seine Arbeit im Innen (der Organisation) und im Außen (bei anderen, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen) transparent zu machen. Die eigene Arbeit transparent, zugänglich und nachvollziehbar zu machen ist also ein Mittel von #WOL, aber kein Ziel oder Zweck. Klick um zu Tweeten

 

2. Um #WOL zu betreiben, müssen Twitter, Blogs & Co zum Einsatz kommen.

Auch das ist schlicht und ergreifend zu kurz gedacht. Twitter & Co als Möglichkeiten der sozialen Interaktion und #contentorientierten Kommunikation sind nur ein Mittel, um #WOL zu betreiben – keinesfalls notwendige Kommunikationskanäle. John Stepper beschreibt in seinem TEDx Talk sogar sehr anschaulich, wie eine Teilnehmerin (eine Klavierlehrerin) völlig ohne den Einsatz von Social Media ihren Working out loud-Circle bestritten hat – vielleicht sogar erfolgreicher, als wenn sie es krampfhaft versucht hätte. Meine eigene Intro von vor wenigen Tagen ist damit eigentlich hinfällig geworden. Aber wir können daraus auch etwas lernen: Wenn Social Media gar nicht notwendige Einsatzmittel sind, können wir Mitarbeiter, die dem eher skeptisch gegenüberstehen, viel eher vom Konzept von #WOL überzeugen. Denn klar ist damit auch: #WOL ist mehr als nur „noch so ein Social Media-Trend“.

 

3. Am besten vernetzt man sich zum Einstieg in #WOL mit anderen #WOL lern.

Working out loud basiert darauf, dass man sich zur Erreichung eines eigenen Ziels mit den Menschen vernetzt, die ähnliche Ziele und Interessen haben. Wenn ich mich nun zum Einstieg mit anderen WOLlern vernetze (im Übrigen eine kurze Anmerkung: Wie schön ist denn bitte diese eingedeutschte Variante im Zusammenhang mit dem deutschen Wort „wollen“?) – dann hieße das ja im Umkehrschluss, dass ich mich (für meine Zielerreichung!) mit Menschen vernetze, deren primäres Interesse das #WOL ist. Damit wird Working out loud zum Zweck von Working out loud… und Steppers ursprüngliche Idee sicherlich ad absurdum geführt.

Das heißt keinesfalls, dass ich es für falsch halte, sich mit WOLlern zu vernetzen – im Gegenteil! (Dazu komme ich gleich) Aber man sollte dabei immer im Hinterkopf haben, was das eigentliche Ziel von #WOL ist: eine Verhaltensänderung (unserer Wahl) einzuüben, die langfristig dazu führen soll, Herr über das eigene Leben zu sein. (Weitere Stichworte sind also: Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmung, Selbstmotivation & Co.)

 

4. #WOL kann man als Methode wunderbar allein betreiben.

Von allen falschen Annahmen zu Working out loud ist Nummer 4 die falscheste. Ich habe mir Johns TEDx Talk erst verhältnismäßig spät angesehen beim Einlesen in #WOL. Welch Fehler! Denn in diesem Talk zeigt er so schön auf, dass der Startpunkt für #WOL in den Working out loud Circles liegt – und nicht in irgendwelchen Onlinediskussionen, Artikeln über #WOL oder dem Folgen relevanter WOL-Hashtags auf Twitter. Der Kern von #WOL liegt in der Methode der Circles: 12 Wochen, 4-5 Leute + der Circle Guide. Halleluja! Bis ich zu dieser Erkenntnis kam, dauerte es knapp 4 Wochen. (Die Tatsache, dass ich Schwierigkeiten hatte, mir die nicht ganz 10 Minuten für den Talk vorher zu nehmen, hatte definitiv damit zu tun, dass ich zwei kleine Töchter habe, die bei jedem Einsatz von Bewegtbild, das jenseits von Zeichentrick liegt, anfangen zu toben oder zu quietschen – trotzdem wäre das mein Nummer 1 Tipp für alle, die sich für #WOL interessieren: Startet mit Johns TE(Dx Talk.)

Aber Achtung! Ich spreche hierbei explizit von „#WOL als Methode“ – so wie John Stepper sie entwickelt hat. Relevanter ist aber sicherlich, hinter die Methode zu schauen und sich mit den Prinzipien zu beschäftigen. #WOL und die Circle-Methode ist nur ein Weg nach Rom. Das sollten wir nicht außer Acht lassen. Danke an Maja Kuko, die mich just heute früh wieder daran erinnert hat!

 

Lag der Fehler also bei mir? Bin ich an die ganze Working out loud-Geschichte einfach falsch herangegangen?

Ein Stück weit bestimmt. Aber nachdem ich zahlreiche Blogartikel pro (und auch contra!) #WOL gelesen habe, glaube ich, dass nicht nur ich #WOL missverstanden habe – sondern auch etliche Verfechter in Deutschland. Da ist zum Beispiel die Rede davon, dass es schwierig war, #WOL einzuführen, weil die Konzernkultur dem entgegensteht. Ja, klar! Aber Working out loud IST ja nun auch eine Methode, eine Kulturveränderung herbeizuführen. Und zwar bei der eigenen Person. Denn nichts anderes bedeutet es ja, eine andere Haltung zu kultivieren. Eine Haltung, die mich insgesamt glücklicher und erfolgreicher machen soll. Denn DASS es John Stepper mit der #WOL-Methode darum geht, daraus macht er keinen Hehl. Im Gegenteil: Er erzählt offen darüber, wie er die Circle-Methode entwickelt hat, um Verhaltensveränderungen zu ermöglichen. Und zwar selbstbestimmte. Eine Form des Eigenkulturmanagements sozusagen.
Für mich steht fest: Working out loud darf kein Selbstzweck sein. Es ist eine wundervolle Methode, sich selbst zu einem anderen Ich zu verhelfen, sich selbst auf die nächste Stufe zu heben. Und ich glaube auch, dass es wunderbar adaptiert werden kann und als Methode in der Personal- und Organisationsentwicklung gut aufgehoben ist. Denn über das Eigenkulturmanagement hinaus erreichen wir langfristig eine Kulturveränderung in unserem Umfeld. Dafür müssen wir aber noch etliche Schritte mehr gehen, als wir es bisher getan haben. Und: Die Methodik von #WOL darf nicht in der Personalabteilung stehen bleiben. Denn, so ist mein Eindruck, da interessiert man sich gerade am meisten dafür.