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Warum Working Out Loud nicht für alle das Richtige ist

Vor Kurzem habe ich von meinem Besuch auf der ZP Europe berichtet und wie ich doch noch zu meinem Magic Working Out Loud Moment kam. Dennoch glaube ich nach wie vor, dass Working Out Loud nicht für jeden das Richtige ist – oder: dass zumindest die WOL Circle-Methode nicht für jeden funktionieren kann. 3 Gründe habe ich für mich herausgefunden.

 

Grund 1: Ich praktiziere Working Out Loud schon seit einigen Jahren.

Meine Arbeit sichtbar machen, in Netzwerken denken, großzügig sein ohne etwas von meinem Gegenüber zu erwarten – all diese Dinge praktiziere ich seit einigen Jahren. Zum Einen bin ich sowieso „der Typ dafür“, zum anderen bin ich beruflich so kultiviert worden durch meine Arbeit im sozialunternehmerischen Kontext. Insbesondere Menschen, die bereits daran gewöhnt sind, in Netzwerken zu arbeiten und Working Out Loud als Kompetenz bereits nutzen, könnten die Circle Guides so oberflächlich finden. Oder halten viele der Aufgaben für unnötig, weil: hab ich schon alles gemacht. Wenn ich mit dieser Haltung in einen Circle gehe, werde ich nicht nur nichts davon mitnehmen – ich werde auch die Atmosphäre für die anderen Teilnehmer stören. Für Menschen, die also schon recht weit in dieser Thematik unterwegs sind und die nicht unbedingt bereit sind, wirklich Baby Steps zu gehen (ohne sich als eine Art „Mentor“ zu engagieren – auch das halte ich für fehl am Platz), sollten von der Circle Methode Abstand nehmen. Das bedeutet nicht, dass gut vernetzte und WOL erfahrene Menschen sich keinem WOL-Circle anschließen sollten – im Gegenteil! Ich denke nur, dass es hilfreich ist, in sich hineinzuhorchen und klar zu entscheiden, ob man wirklich die Zeit investieren möchte und sich seiner Rolle im Klaren zu werden.

 

Grund 2: Ich habe meinen Circle schon gefunden – außerhalb der Circle-Methode.

Viele WOL-Fans haben mir berichtet, dass das Beste am Working Out Loud ihre Gruppe war – neue Menschen kennenzulernen (oder: bekannte Menschen nochmal anders kennenzulernen) und die Gemeinschaft zu fühlen. Und im Rahmen dieser Gemeinschaft immer wieder neue Denkanstöße zu erfahren, mitzunehmen – und sich gegenseitig zu inspirieren. Ich habe mir mal durch den Kopf gehen lassen, auf wen diese Beschreibung in meinem Fall zutrifft. Klar, meine Mit-WOL-Circler haben mich definitiv inspiriert und der Austausch war toll – aber immer nur im Rahmen des Circle Treffens. Darüber hinaus hatten wir nur wenig Berührungspunkte und für die Fragen, die mich tagtäglich beschäftigten, waren sie keine Quelle der Inspiration. Da fielen mir zahlreiche andere Namen ein – und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich hatte meinen Circle nämlich bereits gefunden – außerhalb meines eigentlichen Circles. Kolleginnen, mit denen ich beim Mittagessen über aktuelle Herausforderungen meiner Arbeit sprach. Die ich zwischendrin beim Kaffee um ihre Einschätzung bat. Denen ich im Vorübergehen meine Ideen mitteilte. Mit denen ich die grundlegenden Fragen der Strategie meines Projekts erörterte. Alles nebenbei, ohne Gruppenzwang, free Floating. Mal waren wir zu zweit, mal zu viert oder fünft. Einige Zeit war ich mit einem Kollegen sehr eng im Austausch – dann ergab sich mal wieder über eine gewisse Zeit hinweg nur wenig Austausch. Wer ist der schönen Lage ist, sich seinen Circle selbst zu organisieren, ohne große Vorgaben und mit viel Flexibilität, braucht nicht unbedingt einen WOL-Circle. Vielleicht können wir mit den Circle Guides anders arbeiten, als das ursprünglich von John Stepper vorgesehen war. Vielleicht arbeitet er aber gerade zu dieser Zeit auch an genau so einem Angebot.

 

Grund 3: Ich habe ein Thema, das ein anderes Zeitinvestment als 12×1 Stunde WOL-Circle benötigt.

Klar ist: Egal, was ich tue – am Ende des Tages liegt es immer an mir. ICH muss mich entscheiden, ICH muss diese Entscheidung umsetzen und ICH muss mit entsprechenden Konsequenzen leben. Das kann mir kein Circle der Welt abnehmen, auch kein WOL-Circle. Darum geht es auch bei Working Out Loud nicht. Im Gegenteil: Working Out Loud soll Menschen dazu inspirieren und befähigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen – insbesondere ihr Arbeitsleben. Dennoch glaube ich: Wenn ich mich aktuell mit einem Thema oder einer Frage beschäftige, die vor allem mit mir zu tun hat – dann ist die Circle Methode vielleicht nicht das Richtige. Oder zumindest eine Typ-Frage. Ich für mich weiß jedenfalls, dass es Dinge gibt, für die ich Zeit, Raum und vor allem: Einsamkeit brauche. Nicht im Sinne von „Lasst mich gefälligst alle allein“ oder „Ich will mit niemanden darüber sprechen“. Aber im Sinne von „Es ist super, sich mit Dir über meine Frage auszutauschen – aber jetzt brauche ich Zeit, um allein darüber nachzudenken“. Wenn ihr auch dieser Typ Mensch seid, solltet ihr Euch sehr gut überlegen, ob ihr die eine Stunde pro Woche, die ihr für das WOL-Circle Treffen investiert, wirklich gut nutzt – oder ob Euch eine Stunde nur ihr mit einem Kaffee, einem Stift und einem Blatt Papier vielleicht mehr nutzt. Und ihr den gemeinschaftlichen Aspekt des Working Out Louds eher bei einem gemeinsamen Mittagessen mit Euren Circle Freunden nachholt. Eine grundlegende Idee von John Stepper im Rahmen der WOL Methode ist das Investment in sich selbst. Eine Stunde pro Woche, die nur Dir gehört – investiert in ein Circle Treffen, das Dich auf Deinem Weg bestärken soll. Vielleicht aber ist diese eine Stunde anders besser investiert… diese Frage kannst nur Du selbst Dir beantworten – und dann die Entscheidung treffen, auf welche Art und Weise Du Working Out Loud betreiben möchtest: in den Grenzen der Circle Methode oder ein einem anderen, vielleicht selbstgesteckten Rahmen.

 

Meiner Meinung nach ist Working Out Loud als WOL Circle Methode definitiv nicht die Antwort auf alles – das hat auch nie irgendjemand behauptet, schon gar nicht John Stepper und auch nicht die beiden wichtigsten deutschen WOL-Vertreterinnen Sabine Kluge oder Katharina Krentz. Deshalb glaube ich, dass es wichtig ist, besonders gut hinzuschauen – und genau abzuwägen, was der richtige Weg für MICH ist… und auf welche Art und Weise Working Out Loud dazu beitragen kann.

Umso mehr habe ich mich gefreut, als John Stepper mir von WOL-SC berichtete – dem nächsten Programm aus der WOL-Familie, das im Moment auf Herz und Nieren getestet wird und 2019 auf workingoutloud.com veröffentlicht werden soll

 

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