In Methoden/ Working Out Loud

T- oder O-Shaped? Das Kaleidoskop Profil

Vor einiger Zeit las ich bei Janine Kirchhof über das T-Shaped Profil und die Frage, ob sie sich ein solches erarbeitet hat. Seitdem trage ich diese Idee mit mir herum und frage mich immer wieder: Wie könnte ich denn zu so einem T werden?

Denn wenn ich mir mein Profil so anschaue, bin ich viel – aber kein T. Tatsächlich bin ich genrealistisch ausgebildet mit dem Schwerpunkt in Organisationstheorie kombiniert mit politischer Theorie plus Wirtschaftswissenschaften, Kulturwissenschaften, Kommunikationswissenschaften, Verwaltungswissenschaften und Politikwissenschaften jeweils auf einem sehr breiten, aber wenig tiefem Niveau. Dazu zahlreiche Erfahrungen in unterschiedlichsten Settings: in der Hotellerie, der Baubranche, dem sozialen Sektor, als Produktmanagerin, Marketingmanagerin und Kuratorin. Gründungserfahrung ebenso wie die Erfahrung als Angestellte im Team zu arbeiten. Was ich sehe, sind viele viele Bausteine – aber weit und breit kein T.

Vor einigen Wochen kamen wir in meinem Working Out Loud-Circle darauf zu sprechen und meine Kollegin sagte: „Ich fühle mich überhaupt nicht wie ein T, wenn dann bin ich ein O-Shaped Profi.“

Das fand ich sehr treffend für sie – denn sie ist umfassend interessiert, erarbeitet sich immer wieder neue Themenfelder, mal in die Tiefe, mal in die Breite. Kombiniert mit wirklich hervorragenden Verhandlungsskills (plus natürlich einigen mehr, aber für ihr Verhandlungsgeschick bewundere ich sie am meisten). Bin ich vielleicht auch so für ein O?

Auch hier habe ich lange gegrübelt – und festgestellt: Nein, ein O bin ich nicht. Dafür bin ich an einigen Stellen zu tief drin. Oftmals werde ich gefragt: „Sag mal, wo hast Du das denn gelernt?“ – z.B. das Texten für ganz spezifische Zielgruppen, die hohe Serviceorientierung oder auch das Erarbeiten von Homepages. Oftmals habe ich auf diese Frage nur mit den Schultern gezuckt – ich hab es mir halt irgendwann mal erarbeitet bzw. in den verschiedenen Kontexten angeeignet. Tatsächlich bin ich auf sehr vielen Gebieten tiefer drin als dass man von allgemeinem Breitenwissen sprechen könnte – und gleichzeitig bin ich Meilen davon entfernt ein Experte in diesen Themen zu sein! Digitale Kommunikation ist da ein schönes Beispiel. Ich bin eigentlich ganz gut aufgestellt, aber wenn es um technische Details geht, wenn es wirklich ans Eingemachte geht, dann bin ich die falsche Ansprechpartnerin.

Und da kam mir dann der Gedanke: Vielleicht bin ich kein T oder O Shaped Profi – sondern habe ein Kaleidoskop-Profil. Viele kleine Bausteine, die einen ausgeprägter mit interessanteren Farben und Formen, die anderen in Pastelltönen. Je nach Kontexten drehe ich das Kaleidoskop und je nach dem, welche Fähigkeiten sich rund um die Spiegel anordnen, ergeben sich ganz unterschiedliche Muster. Im Gegensatz zum T-Shaped Profi wende ich nicht mein komplettes Wissen an, sondern zapfe immer die Bereiche an, die ich gerade brauche, und kombiniere die Fähigkeiten, die die aktuelle Situation benötigen.

2 Comments

  • Reply
    Janine Kirchhof
    19. Oktober 2018 at 16:08

    Hallo Jenny, interessanter Beitrag zum Thema T-Shaped Profil! Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, wie ich ich mein Profil beschreiben lässt und bin froh zu lesen, dass es Anderen damit ähnlich geht. :-)

    Liebe Grüße Janine

    • Reply
      Jenny Linhart
      13. November 2018 at 21:58

      Danke für Deinen Kommentar, liebe Janine! Endlich komme ich dazu, Dir zu antworten (nachdem ich mich selbst aus meinem Backend ausgeschlossen hatte… so viel zum Thema Expertenwissen!). Gerade bin ich nochmal über Deinen Artikel zum Thema Digitales Kompetenzset als PElerin gestolpert. Hast Du mal darüber nachgedacht, die Erkenntnisse und Fortschritte in diesem Bereich hier drüber zu legen?

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