In Praktische Theorien/ Social Entrepreneurship/ Working Out Loud

Bedürfnis oder Wirkung? Das ist hier die Frage.

Die ersten Beiträge auf meinem Blog stammen aus meiner Historie im Sozialunternehmertum und beziehen sich auf Wirkung, Wirkungsorientierung und Wirksamkeit. Ein breit gefächertes Thema, das sich ehrlicherweise mal eben so per Blogbeitrag nur schlecht transportieren lässt. Im Gegenteil: Ich merke beim Schreiben oftmals selbst, dass ich nicht die Botschaft transportiert bekomme, die eigentlich wichtig wäre. Stattdessen klingt Wirkungsorientierung oftmals nur nach Zielorientierung. Dabei geht sie viel weiter.

Vor kurzem habe ich dann noch einen Artikel geschrieben zum Thema Bedürfnisorientierung und warum Mütter dafür echte Expertinnen sind. Also – was ist denn jetzt entscheidend? Wirkungsorientierung oder Bedürfnisorientierung?

Meiner Meinung nach gehört beides untrennbar zusammen. Denn um sich wirklich auf die Wirkung fokussieren zu können, muss ich erst Expertin für meine Kunden, Stakeholder, Mitglieder, Zielgruppe, etc. werden. Ich muss verstehen, warum sie was tun, warum sie sich wie verhalten und welche grundlegenden Bedürfnisse vorhanden sind. Ohne dieses Wissen werde ich niemals Wirkung entfalten können.

Im Alltag dann aber glaube ich, dass es die Wirkungsorientierung ist, die uns wirklich nach vorne bringt. Denn Wirkungsorientierung heißt vor allem: Das Bedürfnis des Kunden befriedigen – egal, ob ICH es bin oder jemand anderes. Das ist der große Unterschied zwischen Kunden(bedürfnis)Orientierung und Wirkungsorientierung.

Kundenorientierte Unternehmen nehmen ihre Kunden ernst, versuchen sie zu verstehen – und dann ihr Produkt- und Dienstleistungsangebot an sie anzupassen. Ich selbst habe mit meinem Wedding Start Up Brautkästchen nichts anderes gemacht: Ich habe das Bedürfnis der Bräute, die Hochzeit nach vorne zu verlängern und das Gefühl, eine Braut und damit etwas Besonderes zu sein, verstanden und mit meiner Abo-Box bedient. Mit Wirkungsorientierung hatte das aber nichts zu tun.

In meiner Zeit als Sozialunternehmerin habe ich verstanden, dass Wirkungsorientierung in erster Linie bedeutet, dass man sich die entsprechende Veränderung beim Kunden wünscht. Unabhängig davon, wer sie erzielt. Das heißt auch: Unabhängig davon, ob man selbst daran einen Anteil – und damit Umsatz/Gewinn hat. Natürlich ist auch klar: In der Praxis sieht das oftmals anders aus. Aber das eigentliche Mindset eines Social Entrepreneurs, das „All Impact Or Nothing“-Credo, setzt genau das voraus.

Meiner Meinung nach fehlt uns das im Alltag sehr oft. So bemerke ich z.B. auch an mir selbst, dass ich zwar immer kundenorientiert denke, aber nicht immer auch wirkungsorientiert. Ich versuche immer MEINE Arbeit am Kunden auszurichten – verliere aber noch zu oft den Blick dafür, wie ich dazu beitragen kann, dass der Kunden bei sich die gewünschte Wirkung entfaltet. Ganz konkret in Bezug auf meine Arbeit der der DGFP gesprochen bin ich natürlich davon überzeugt, dass es für junge Personaler ein riesiger Benefit ist, wenn sie Teil des Young Professional Networks werden. Manchmal brauchen sie aber auch etwas ganz anderes: z.B. ein Seminar zu einem bestimmten Thema oder einen erfahrenen Personaler als Austauschpartner. Das heißt nicht, dass das Angebot, das ich im Rahmen des YPN für sie bereithalte, weniger wertig wäre oder nicht genug auf die Bedürfnisse meiner Zielgruppe ausgerichtet – nur dass andere Angebote außerhalb meines unmittelbaren Bereichs eine größere Wirkung erzielen.

Insbesondere in der Zusammenarbeit innerhalb eines Unternehmens gibt es viele Stellschrauben, die uns davon abhalten, wirklich wirkungsorientiert zu agieren. Z.B. Ziele, die auf Umsatzsteigerungen abzielen, werden immer dafür sorgen, dass ich mich darauf fokussiere, MEIN Produkt zu verkaufen – und nicht das einer anderen Business Unit. Ob wir damit auf die richtige Zielscheibe zielen oder vielleicht eher auf eine andere… das möchte ich mal infrage stellen. Fakt ist aber: Um uns wirklich auf den Kunden einzulassen, reicht reine Kundenorientierung nicht aus. Insbesondere in Zeiten der Transformation, in Zeiten volatiler Märkte und Konsumenten, die schnell und ohne große Hürden ihr Verhalten ändern, müssen wir lernen, uns auf Wirkung zu fokussieren. Uns darauf konzentrieren, etwas Großartiges zu machen.

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