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2 Wochen Corona-Remote – 3 Beobachtungen

Die letzten beiden Wochen waren – gesamtgesellschaftlich betrachtet – für die meisten von uns die extremsten unseres Lebens. Was wir gerade erleben und mitgestalten, wird in die Geschichtsbücher eingehen. Diese Erkenntnis musste ich mir mehrfach vor Augen führen und kann sie immer noch nicht so wirklich fassen. Deshalb nutze ich meinen Blog auch dafür, zu reflektieren und Euch daran teilhaben zu lassen, was wir als Unternehmen, Familie und Freunde gerade lernen – und zwar in mehreren Schritten, ähnlich, wie ich auch meine Gedanken sortiere. Heute möchte ich 3 Beobachtungen aus 2 Wochen Corona Remote mit Euch teilen.

 

1. Es geht so viel mehr, als wir denken.

Gut, strukturiert und verbindlich im Team arbeiten mit zwei kleinen Kindern zuhause? Vor wenigen Wochen hätte ich nicht gedacht, dass es möglich ist. Geht aber! Von heute auf morgen einen Großteil der Belegschaft – ohne die passende IT-Ausstattung – ins Homeoffice schicken? Holpert, aber funktioniert. O365 quasi von heute auf morgen ausrollen? Geht! Angesichts einer so großen Bedrohung von außen, ohne Entscheider, ohne menschliches Gesicht, das dafür verantwortlich ist, geht auf einmal so viel mehr, als wir gedacht hätten. Unglaublich.

 

2. Agilität comes naturally.

Lasst die Menschen entscheiden, die Experten für ihre Arbeit sind. Bleibt lernfähig. Fokussiert Euch auf die Möglichkeiten zum Austausch. Arbeitet transparent. All diese Prinzipien, die wir auch in agilen Methoden wiederfinden, werden auf einmal selbstverständlich. Und selbst der verkrustete, seit 30+ Jahren in derselben Position verharrende Peter, von dem wir immer denken, dass wir ihn „abholen“ müssten oder dass ihm „Veränderung Angst mache“, macht das, was er für logisch und sinnvoll hält: mit Kollegen in den Austausch gehen, schnell reagieren, seine Meinung nicht mehr für die einzig richtige Wahrheit halten. Ich habe in den letzten 10 Tagen mit so vielen unterschiedlichen Menschen gesprochen, die neugierig auf neue Tools sind, die wissbegierig einfach ausprobieren, die keine Angst vor Fehlern haben – es ist unglaublich. Als hätten wir eben die nächste Bewusstseinsebene angeschmissen. 

 

3. Die nächsten 14 Tagen werden die entscheidenden sein.

In Bezug auf die Pandemie und ihre Verbreitung kann ich natürlich keine Aussage treffen – denn davon habe ich keine Ahnung. Ich glaube aber, dass die nächsten beiden Wochen gesellschaftlich eine große Rolle spielen werden. Sie werden entscheidend dafür sein, ob die Stimmung des „Wir sitzen alle im selben Boot“ anhält – und sich weiter ausbreitet. Oder ob doch wieder die Ellenbogen ausgefahren werden, Unternehmen den Fokus auf Umsatz und Gewinn legen, der Einzelne nach sich und nicht nach seinem Nachbarn schaut. Wir haben die historische Chance, die Gesellschaft, unser Zusammenleben und Zusammenarbeiten, maßgeblich zu verbessern. Einen Bewusstseinswandel zu begleiten… oder diese Chance ziehen zu lassen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir vor einem neuen Zeitalter stehen. Es liegt in unserer Hand, ob wir die Solidarität, die Flexibilität und die Rücksichtnahme in die Post Corona Zeit retten werden – oder ob wir in einen verstärkten Wettbewerb verfallen. 

 

 

Photo by Erik Mclean on Unsplash