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Mein Magic Moment mit Working Out Loud und John Stepper

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Über 12 Wochen hinweg habe ich darauf gewartet: meinen Magic Moment. Den magical Working Out Loud-Moment, von dem mir alle berichtet hatten, die in einem Working Out Loud-Circle unterwegs waren. Der Moment, der sie so tief beeindruckt und berührt hat, dass sie zu absoluten WOL-Fans wurden. Dieser Moment – er blieb einfach aus.

Natürlich hatte ich hier und da gelesen, dass Working Out Loud als Circle-Methode für den ein oder anderen nicht funktioniert hatte. Dass aufgesetzte Circle irgendwie nicht die Wirkung gezeigt haben, die sich die (HR-)Initiatoren gewünscht hatten. Ich hatte gelesen, dass es vielleicht daran liegen könnte, dass mein Ziel, das ich am Anfang festgelegt hatte, nicht das richtige für mich war. Oder dass der Veränderungsdruck, der Wunsch nach Veränderung, bei mir einfach nicht so groß war.

Ich bin die Circle-Guide für mich immer wieder durchgegangen, habe mir die einzelnen Übungen angeschaut. Ich finde sie alle gut – die meisten kannte ich schon und prinzipiell bestärkten sie mich in dem, was ich bereits tat. Ich fasste für mich die Erkenntnis: Working Out Loud war eine Kompetenz, die ich schon längst besaß. Working Out Loud war etwas, was ich schon längst praktizierte. Seit vielen Jahren bereits.

Aber wenn ich mich so umschaute, ging es vielen der WOL-Fans auch so – auch sie praktizierten das, was Working Out Loud meint, seit vielen Jahren. Sie änderten nicht sonderlich viel an ihrer Arbeitsweise… und dennoch hatten sie ihn alle, den magischen WOL-Moment. Nur ich nicht. Und damit fühlte ich mich von Tag zu Tag schlechter. Warum nur? Nun, weil ich John Stepper für einen sehr klugen Mann halte – und einen, der wirklich etwas für jeden einzelnen bewegen will. Dass ausgerechnet ICH mich nun der Wirkung seiner Methode entziehen sollte, fühlte sich falsch an. Ein bisschen wie Verrat an einem guten Freund (obwohl ich John Stepper natürlich nicht persönlich kannte).

Umso gespannter war ich deshalb auf seinen Vortrag auf der Zukunft Personal Europe im September. Einerseits war ich natürlich aus beruflicher Neugierde da: Was würde er wohl über WOL berichten? Würde es bei seiner Keynote darum gehen, das Programm nochmal vorzustellen? Was wird er vor allem den Personalern mit auf den Weg geben wollen? Andererseits aber eben auch aus der persönlichen Perspektive heraus. Das kleine Teufelchen auf der einen Schulter flüsterte mir ins Ohr: „Vielleicht ist er ja gar nicht der Gutmensch, den alle in ihm sehen. Vielleicht hat er WOL vornehmlich aus dem Grund heraus entwickelt, ein Produkt an den Markt zu bringen – und daraus Profit zu schlagen. Vielleicht ist Dein schlechtes Gewissen ihm gegenüber totaler Quatsch.“ Das Engelchen hingegen sagte sehr laut: „Geh doch einfach hin und lass Dich darauf ein. Hör ihm einfach zu. Vielleicht hörst Du etwas Neues oder Du verstehst etwas Neues, was Du vorher noch nicht verstanden hast.“

Der Vortrag war sehr interessant – und an vielen Stellen für mich auch sehr berührend. Besonders gefallen hat mir, wie John den praktischen Nutzen für Unternehmen nochmal in den Vordergrund gestellt hat und welche Rolle HR dabei spielt (davon möchte ich aber an anderer Stelle berichten). Der Schlag traf mich allerdings in der anschließenden Fragerunde. Ein Teilnehmer fragte John, ob die WOL-Circle Methode so bleiben würde oder ob noch etwas folgenden würde. Und John antwortete, dass die Circle für ihn tatsächlich erst der Anfang seien – dass er gerade an zwei weiteren Ideen arbeitete, u.a. einer, die es Menschen ermöglichen sollte, mehr in Kontakt zu sich zu treten und den Fokus auf Themen wie Selbstwertgefühl & Co zu richten.

Und da war er tatsächlich, mein Magic WOL-Moment. Ich begriff auf einmal, dass die WOL Circle Methode nicht das Richtige für jedermann ist – und dass nicht jeder durch diese Methode unbedingt nach vorne gebracht werden muss. Und vor allem: dass das auch nie seine Absicht war. Ich begriff, dass die Circle Methode ein Weg ist – ein Weg, der offensichtlich für viele Menschen gut funktioniert. Für andere – wie mich – aber eben nur auf dem Level „Ach, das ist nett“ bleibt. Und dass das auch völlig in Ordnung ist.